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Geförderte Atelierräume müssen erhalten bleiben

von Lennart Siebert und Julia Brodauf (21.02.2025)
vorher Abb. Geförderte Atelierräume müssen erhalten bleiben

Lennart Siebert und Julia Brodauf, Foto: Pia Henkel

Der bbk berlin sieht die Zukunft der Atelierförderung im Arbeitsraumprogramm massiv gefährdet und fordert Kultursenator Joe Chialo auf, sein Versprechen einzuhalten. Ohne geförderte Ateliers droht Bildenden Künstlerinnen und Künstlern in Berlin der Ruin, schreiben Julia Brodauf und Lennart Siebert in ihrem Gastbeitrag.

„Sind die 10.000 professionellen Bildenden Künstler*innen in Berlin noch weiterhin gewünscht?“ Diese Frage stand — für uns als Spartenvertretung ebenjener — im Zentrum der Anhörung der 47. Sitzung des Ausschusses für Kultur, Engagement und Demokratieförderung, die am Montag dieser Woche stattfand. Kultursenator Joe Chialo leitete die Sitzung mit der Erklärung ein, dass schon das Halten des Niveaus angesichts der schwierigen Haushaltslage als Erfolg anerkannt werden müsse. Wir nehmen ihn beim Wort und fordern ebendiesen Erfolg ein: Alle Räume aus der bisherigen Förderung, in deren Auf- und Ausbau die Ressourcen der Stadt geflossen sind, müssen erhalten bleiben und die Kunstschaffenden, die sie nutzen, in ihrer Existenz langfristig und nachhaltig geschützt werden.

Berlins Atelierförderung im Arbeitsraumprogramm zeichnet sich dadurch aus, dass mit den Räumen und Flächen die grundlegende Infrastruktur gesichert wird. Dieser Gegenentwurf zu einer personenbezogenen Stipendienvergabe nimmt eine Vorbildrolle ein, die von anderen Städten aufgegriffen wird. Ideell und faktisch bietet es den Nährboden für Berlin als ein weltweites Zentrum für Bildende Kunst.

Derzeit betreut das Atelierbüro im kulturwerk des bbk berlin die Vergabe von 1.054 Ateliers in rund 60 Atelierhäusern im Berliner Arbeitsraumprogramm. Für 20 dieser Standorte ist die Kulturraum Berlin gGmbH Generalmieterin, die derzeit im Zentrum der Kürzungsaufforderungen steht. Diese Situation hat bereits die Erschließung neuer Räume gekostet und bringt Ateliers in Gefahr, die seit den Anfängen des Atelierprogramms in den 1990er Jahren im Programm sind.

Es sind unterschiedliche Effekte der Haushaltspolitik, die die Standorte bedrohen: Das Atelierhaus in der Sigmaringer Straße 1 verlieren wir an das Ordnungsamt des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf – die Verwaltung muss aus extern angemieteten Büros ausziehen und verdrängt die Künstler*innen. Aber das ist Vorschrift. Das Atelierhaus in der Kiefholzstraße 19/20 gehörte noch zu unseren Potenzialflächen: Es ist im Bestand des Berliner Sondervermögens für Daseinsvorsorge (SoDa) und sollte für das Arbeitsraumprogramm ertüchtigt und schrittweise übernommen werden. Da die Mittel im dafür vorgesehenen Haushaltstitel jedoch um 85 Prozent gekürzt wurden, herrscht große Unsicherheit, wer für die anfallenden Kosten aufkommen wird. Und das Atelierhaus Hobrechtstraße 31, dessen Vertrag zum Sommer verlängert werden muss, ist eine Institution in Neukölln und seine Schließung an und für sich nicht mit Wirtschaftlichkeit zu begründen. Dort bahnt sich zwar eine Lösung an, die Förderung der Ateliermieten soll aber langfristig abgesagt werden. Für diese Entscheidungen fehlt uns noch ein transparenter gemeinsamer Vorgang der beteiligten Institutionen im Förderprogramm.

Die Anzahl der Solo-Selbständigen im Bereich Bildende Kunst in Berlin wird von der Künstlersozialkasse auf etwa 15.000 geschätzt. Wir zählen um die 10.000 Freien Künstler*innen, die rein im Selbstauftrag arbeiten. Von diesen – Hochschulabsolventen und Etablierten – verdienen nur zwei bis vier Prozent der Künstler*innen akzeptabel auf dem Kunstmarkt – das ist keine stabile wirtschaftliche Grundlage. Dennoch gibt es kaum alternative Lösungen. Was Akademien, Kunstexpert*innen, Kurator*innen und Museumsmacher*innen als zeitgenössischen Diskurs in die Öffentlichkeit tragen – was also hohes Niveau hat und für unsere Gesellschaft von Bedeutung ist –, bildet keine mit anderen Berufen vergleichbare Lebensgrundlage. So kommen wir zu sehr niedrigen Einkommensverhältnissen im Bereich Bildende Kunst mit einem Durchschnitt von weniger als 15.000 Euro im Jahr – das ist unterhalb der Armutsgrenze. Die aktuelle, Ende Januar veröffentlichte Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft kommt sogar auf einen Durchschnitt von weniger als 12.000 Euro netto. Wir benötigen also Strukturen, die den Künstler*innen und auch der Gesellschaft diese Arbeit und ihre Ergebnisse ermöglichen. Kultur ist erwiesenermaßen von großer Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt – und wird sich nie finanziell selbst tragen. Da ist der Landeshaushalt gefordert.

Die Förderung von bezahlbaren Ateliers ist im Berliner Fördersystem für freischaffende Bildende Künstlerinnen die Wichtigste. Mittlerweile ist bekannt, was auf dem Spiel steht – der Fabik, das Budget für Kunst im Stadtraum, die Stipendien und die Streichung von Aufträgen in der Bildungsarbeit bringen die Künstler*innen an den Rand des Ruins. Und zwar weil es offenbar politisch geht, weil ihre Strukturen frei sind, weil die Mittel anscheinend nicht gebunden sind – und weil alle erwarten, dass die Künstler*innen es eben trotzdem irgendwie schaffen. Aber: Die Künstlersozialkasse berechnete schon 2023 einen Rückgang der Mitglieder um fünf Prozent. In unserer eigenen Umfrage aus demselben Jahr gab die Hälfte der Berliner Künstler*innen an, ohne bezahlbares Atelier den Beruf aufgeben zu müssen.

Jetzt, da die Kürzungen realisiert werden und sich für die kommenden Jahre anbahnt, dass durch weitere Kürzungen weitere Begehrlichkeiten auf die Töpfe der freien Szene entstehen, brauchen wir unbedingt eine transparente und durchdachte Bestandsplanung von Landesliegenschaften und Mietobjekten. Die Budgets für den Erhalt der Mietflächen müssen für die Senatsverwaltung, für die Gesellschaften KRB und GSE, die Generalmieterschaften innehaben, für die privaten Vermieter*innen und nicht zuletzt für die Künstler*innen selbst planbar und zuverlässig sein und nicht von Verwaltungsauflagen blockiert werden. Und wir brauchen Zeit, um im Netzwerk die neue Situation umzusetzen.

Ergänzend sprechen wir mit Partner*innen aus dem gemeinwohlorientierten Immobilienbereich über weitere Möglichkeiten, im niedrigen Preissegment Räume zu entwickeln, die langfristig von der Politik unabhängig funktionieren. Und wir arbeiten daran, mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen das Programm zur Förderung von Atelierwohnungen neu aufzulegen. Beides darf allerdings die bestehende Förderung nur ergänzen – das Raumangebot im bestehenden Preissegment ist essenziell für die Bildenden Künstler*innen und damit für deren Vorhandensein in Berlin. Und ganz konkret rufen wir zusammen mit der AG Räume der Berliner Kulturkonferenz ein breites Netzwerk dazu auf, sich auszutauschen über die Situation der Räume und der Raumbedarfe für Kunst und Kultur in Berlin. Ein erstes Treffen wird am 28. März im Abgeordnetenhaus stattfinden.

Lennart Siebert und Julia Brodauf

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Titel zum Thema Atelierbüro im kulturwerk des bbk berlin :

Geförderte Atelierräume müssen erhalten bleiben
Gastbeitrag der beiden Atelierbeauftragten des Atelierbüros im kulturwerk des bbk berlin Lennart Siebert und Julia Brodauf.

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