Veronika Witte

Veronika Witte
Foto: Charlotte Rosengarth

Für ihre Leistungen wurden die Künstler*innen seit 2016 mit einem Honorar aus dem FABIK-Fonds vergütet in den 37 kommunalen Galerien dieser Stadt. Dieses wegweisende Modell ist nun ausgesetzt und fällt demnächst vielleicht ganz weg – und damit auch das breite Angebot in den kommunalen Galerien, das gemeinsam mit Künstler*innen und vielen anderen Expert*innen gratis angeboten wurde und 2024 von ca. 430000 Besucher*innen wahrgenommen wurde.

Die Kürzungen zerstören unwiederbringliche Strukturen, in denen Werte wie Respekt, Freiheit, die Akzeptanz des anders Denkenden-und Sehenden stetig neu geübt werden. Sie verursachen einen tiefgreifenden Schaden für die Stadt Berlin, das Land und für das demokratische Denken und Handeln. In unserer komplexen Welt ist die Auseinandersetzung mit Kunst ein Instrument der Weltgestaltung und ihre Vermittlung darüber hinaus ein Bildungsauftrag, der Kindern und Jugendlichen neben dem Wissen, eigenständiges Denken, Widerstandskraft und Selbstbewusstsein vermittelt. Kultur ist oder war der Grund, warum so viele Menschen Berlin besuchen und ist damit ein enormer Wirtschaftsfaktor für diese Stadt. Die Kürzungen verschlechtern nicht nur die eher schon prekäre finanzielle Situation der meisten Künstler*innen weiter und werden als Welle weitere Berufsgruppen wie Kurator*innen, Grafker*innen, Druckereien, Rahmenbauer, Transporteure… studentische Hilfskräfte etc. mitziehen. Wenn die Politiker nicht jedes Kunstwerk, das in Berlin gezeigt wird, verstehen, ist das kein Problem. Aber wenn sie nicht die wirtschaftliche Potenz der künstlerischen Vielfalt dieser Stadt verstehen, hat Berlin ein massives Problem.

Veronika Witte, Studium der Pädagogik in Münster (Dipl.) und Master der Bildhauerei/Multimedia an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts, Paris. Zahlreiche Projekte, Stipendien, Auszeichnungen und Ausstellungen im In- und Ausland. Seit 1995 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin, Initiatorin, Kuratorin, Kunstvermittlerin und künstlerische Leiterin spartenübergreifender Projekte. Unter anderem Lehrtätigkeit an verschiedenen Hochschulen und seit 2017 künstlerische Leiterin der Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten Berlin.